Die Angst geht um vor einem Plagiat bei einer Hausarbeit, Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Dissertation. Was ist aber überhaupt ein Plagiat? Wie sieht eine gefundene Plagiatsstelle überhaupt aus? Wie korrigiere ich die und wie kann ich ein Plagiat in meinem Text von Anfang an vermeiden?

Hier sind die Antworten auf diese und weitere Fragen. Hüte Dich vor den Missverständnissen und befolge am besten die Regeln. Dann wirst Du einen sauberen Text am Ende haben.

Was ist ein Plagiat?

Prof. C. Schwarzenegger schreibt 2006:

„Ein Plagiat ist...
- die wörtliche oder sinngemäße Übernahme von Textstellen anderer ohne Quellenangabe,
- Verwendung von Textteilen aus dem Internet, ohne www-Adresse und Zugriffsdatum,
- Verwendung eigener Studienarbeiten ohne Quellenangabe,
- Übersetzungen fremdsprachiger Texte ohne Quellenangabe,
- Ghostwriting.

Ist Ghostwriting tatsächlich ein Plagiat?

Ghostwriting ist das Schreiben lassen eines Textes durch andere. Das ist für sich genommen kein Problem, SOLANGE der Text nicht als EIGENER Text ausgegeben wird.
Ghostwriting SELBST ist somit KEIN Plagiat. Aber die Einreichung des Textes aus fremder Autorenschaft unter dem EIGENEN Namen ist ein Plagiat.
Damit ist auch klar, dass ein Ghostwriter niemals etwas zu befürchten hat.

Was ist kein Plagiat?

Kein Plagiat sind...

  • Allgemeinwissen = allgemeine und anerkannte Aussagen

Beispiel:
Marketing ist eine wichtige Funktion innerhalb von Unternehmen.

  • Allgemeine Redewendungen

Beispiel:
...Aufgrund dieser Tatsachen lassen sich einige Schlüsse ziehen. ...

  • Eigene, selbst gewonnene Erkenntnisse

Beispiel:
Aus der Untersuchung ergeben sich mehrere Erkenntnisse.

  • Grau-Schwäne sind sehr soziale Tiere.
  • Sie verbringen viel Zeit mit der Aufzucht des Nachwuchses in Gemeinschaft. Damit lernen bereits die kleinen Grau-Schwäne die Regeln sozialen Miteinanders.
  • Etc.

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Ist fachspezifisches Allgemeinwissen ohne Quelle ein Plagiat?

Dazu schreibt der Hochschulverband:

6) Das tradierte Allgemeinwissen einer Fachdisziplin muss nicht durch Zitierungen bzw. Verweise nachgewiesen werden. Was zu diesem Allgemeinwissen zählt, ist aus der Sicht der jeweiligen Fachdisziplin zu beurteilen. Im Zweifel obliegt eine Entscheidung der Institution, die die angestrebte Qualifikation bescheinigt.

Quelle:
www.hochschulverband.de/cms1/uploads/media/Gute_wiss._Praxis Fakultaetentage_01.pdf

Diese Meinung teilt sicher die überwiegende Mehrzahl der Betreuer.

ABER: Man ist auf der sicheren Seite, wenn man auch für solche Aussagen wie:

...Marketing ist eine wichtige Funktion innerhalb von Unternehmen

eine Lehrbuchquelle angibt. Dann muss man nicht warten auf

„...eine Entscheidung der Institution, die die angestrebte Qualifikation
bescheinigt...“.

Stell Dir das mal praktisch vor: Du hast ca. 15 solche Stellen mit allgemeinem Wissen und eine Prüfungskommission muss sich dann mit diesen Stellen befassen... Wie soll das gehen?

Können auch Abbildungen Plagiate sein?

Ja, unbedingt!

  • Sie sind ebenfalls geistiges Eigentum.
  • Abbildungen sind mit Plagiatssoftware natürlich nicht auffindbar. Aber Betreuer können sie als Plagiat erkennen, wenn sie mit der Originalquelle vertraut sind.

Lösung:

  • Eine eigene Abbildung machen oder die Abbildung ändern.
  • Die Quelle angeben als: Nach/In Anlehnung an Mustermann, 2019, S. 15

Ist wörtliches Abschreiben mit Quellenangabe ein Plagiat?

Nein, solange der abgeschriebene wörtliche Text in Anführungszeichen steht. Fehlen diese Anführungszeichen, dann ist ein wörtliches Zitat nicht als wörtliches Zitat kenntlich gemacht. Das macht auf jeden Fall Probleme. Vermeide das.

Tipps:

  • Die Fundstelle sollte auf jeden Fall umformuliert werden.
  • Texte mit vielen längeren wörtlichen Zitaten sagen zweierlei:
    1. Autor*in ist zu faul, es umzuformulieren.
    2. Autor*in kann Gedanken anderer nicht in die Argumentation einbauen.
  • Immer schön umschreiben oder paraphrasieren und Quelle angeben.

AUSNAHME: Legale Definitionen oder Definitionen von verschiedenen Autoren.

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Wie werden Plagiate gefunden?

Mit Plagiatssoftware wie diesen:

plagscan.com
turnitin.com

Drei Irrtümer über Plagiate - und Aufklärung

FALSCH: Das Abschreiben aus fremden Texten ist ein Plagiat.

RICHTIG: Nein, nur das Abschreiben aus fremden Texten OHNE Quellenangabe ist ein Plagiat.

FALSCH: Eine automatisierte Plagiatsprüfung gleicht den Text mit allen Literaturquellen ab.

RICHTIG: Nein, nur im Internet frei zugängliche Quellen werden mit dem Text abgeglichen, nach einem Prüfschema.

FALSCH: Hat die automatische Plagiatsprüfung nichts gefunden, ist die Arbeit sauber.

RICHTIG: Nein, die Betreuer kennen ihr Fachgebiet und kennen demzufolge auch die Quellen. Daher erkennen sie möglicherweise Plagiate, welche die Software nicht erkannt hat.

Wie sieht eine geprüfte Datei überhaupt aus?


Hier ist ein Beispiel für die Darstellung der Ergebnisse der Plagiatsprüfung für eine Hausarbeit.

Plagiatsanalyse-Trefferliste

Plagiat-trefferliste

Plagiatsanalyse-Fundstellen im Text

Plagiat-treffer-im-text

Treffer der Plagiatsanalyse mit Fundstellen aus Original-Text

Plagiat-treffer-mit-text-1

Was bedeuten die Prozent-Werte im Plagiats-Level der Analyse?

Die Prozente sollen bedeuten, dass eine hohe Wahrscheinlichkeit für ein Plagiat vorliegt. ABER: In der Praxis hat dieser Index keinen Wert! NULL!

GRUND: Nur die EINZELNE gefundene Stelle zählt! Alles andere ist Augenwischerei.

Ursachen für hohe Prozente:

  • man hat viele Quellen, die andere Dokumente im Netz auch in ihrer Quellenliste
    haben,
  • man hat Abbildungen mit Beschriftungen, die andere Dokumente im Netz auch haben,
  • man hat lange Begriffsformulierungen oder stehende Wendungen wie “die Auswirkungen der Industriepolitik auf die Gewerbeansiedlungen”...

Schon hat man hohe Fundzahlen und damit hohe Prozente...

Die Plagiatsprüfprogramme vergleichen nur Wortgruppen, weil sie nichts anderes können. Sie unterscheiden nicht zwischen Fachlichem und Sprachlichem, ob das eine sprachliche Wendung ist oder ein Fakt. Sie wissen auch nicht, ob die zitierte Quelle im Text passt oder nicht. Sie kontrollieren ja auch nicht, ob die gefundene Stelle eine Quellenangabe hat oder nicht.

Fazit:

Nur die einzelne gefundene Plagiatsstelle zählt, EINE nach der ANDEREN. Wenn ALLE Funde erledigt sind, ist alles in Ordnung.

Unser Workflow im Thesis Guide zum Check der Plagiatsstellen hilft beim Prüfen und Korrigieren.

Wie korrigiere ich eine Plagiatsstelle?


Folge einfach dem Ablaufplan im Thesis Guide. Der sieht ungefähr so aus:

Plagiatstellen-korrigieren

Sind allgemeine Redewendungen umzuformulieren?

Redewendungen sind harmlos.

  • ...wie sich in diesem Zusammenhang gezeigt hat...
  • ...aufgrund dieser Ergebnisse lässt sich...
  • ...ein Vergleich der beiden Faktoren zeigt...
  • ...es lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen...

Das Umformulieren lohnt sich in der Regel nicht, denn nach der Umformulierung wird eventuell wieder eine andere Wendung angezeigt...

Welche Quellen sind kritisch?

Internetquellen aller Formen und Formate und vor allem alte Abschlussarbeiten sind kritisch. Die Schreibenden  haben die Quellen mitunter nicht sorgfältig eingebaut. Aber Du kannst aus alten Arbeiten oft interessante Informationen holen.

Wie gehe ich mit nicht zitierfähigen Quellen um?

Lass sie weg und finde alternative Quellen.

Regeln für die Quellenangabe zur Plagiatsvermeidung

  1. Immer die beste Quelle angeben, die ursprüngliche und wissenschaftlich renommierteste.
  2. Was gut Klingendes ohne saubere Quelle muss ich ersetzen oder weglassen.
  3. Die Quellenangabe muss vor dem Schreiben komplett sein, ohne Ausnahme.
  4. Alle Quellen sollten vor dem Schreiben eines Kapitels im Quellenverzeichnis aufgelistet sein.

So vermeidest Du das Plagiatsrisiko von Anfang an.

  1. Verwende stets saubere Quellen.
  2. Trage die Quellenangabe sofort vollständig in das Quellenverzeichnis ein.
  3. Füge die Quellenangabe stets SOFORT im Text ein.
  4. Markiere unklare Stellen mit XXXX und überarbeite sie später.
  5. Lass im Zweifel Gedanken weg oder ersetze sie mit Gedanken aus einer anderen Quelle.

Kann mir jemand beim Vermeiden von Plagiaten helfen?

Ja und nein.

  • Meist ist am Ende wenig Zeit für die Überarbeitung von Plagiatsstellen.
  • Niemand kennt sich in den DUTZENDEN Quellen so aus wie Du...
  • In der Regel arbeitest Du noch an vielen Baustellen im Text. Die Prüfung des alten Textes wäre eventuell nicht ausreichend, weil Du ja noch Änderungen vorgenommen hast.
  • Die Einarbeitung von Änderungen Dritter erfolgt meist unter Zeitdruck, weil vermutlich auch noch einige Änderungen von Korrektoren und Lektoren und anderen Helfenden nötig ist. Alles muss letztlich in der finalen Version landen...

Tipps:

Viel Erfolg bei Deiner Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Dissertation

wünschen Dir Silvio und das Aristolo Team

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