Ein Blick auf die Gliederung macht den Betreuer neugierig. Sehr gut, denkt er, ausgewogen, durchdacht. Obwohl er nur kurz reinschauen wollte, blättert er weiter und fängt an zu lesen… Die Uhr zeigte kurz vor 10. Um 10 war seine Sprechstunde. Vor der Tür stehen schon einige junge Leute… Nur schnell die Einleitung lesen… Ein leises Klopfen schreckt ihn auf. Die Uhr zeigte schon weit nach 10. Herein, rief er. Vorsichtig reckt eine Studentin den Kopf durch die Tür und fragt leise, ob es heute denn keine Sprechstunde gibt. Doch, doch, sagte er, etwas gereizt, wie jemand, der mitten in seiner Lieblingsserie gestört wird…

Die Schreiberin dieser Bachelorarbeit muss so einiges richtig gemacht haben…Dass sie eine EINS bekommt, ist klar. Aber was hat sie gemacht? Nun, sie hat „einfach“ eine tolle Gliederung abgeliefert… Ihre Thesis war eine richtige Story, mit einem Roten Faden und einem Finale. Kein Wunder, dass der Betreuer nicht loslassen konnte…

DAS kannst DU auch!

Eine Mustergliederung zeigt Dir Kapitel für Kapitel die passenden Gliederungspunkte. Hol sie Dir und fang am besten gleich damit an.

1. Schreibe nicht mehr als 6 Unterkapitel in einem Kapitel

Ein solches Kapitel ist nur eine Aneinanderreihung von Begriffen, von denen einige sicher zusammengefasst werden können.

2. Wenn es Kapitel 2.1 gibt, dann ist auch 2.2 nötig

2.1 ohne 2.2 geht gar nicht. Wer 2.1 schreibt, muss auch 2.2 schreiben. Diesen Fehler wird der Betreuer sofort sehen und  Punkte abziehen. Vor allem aber lässt ihn das an Deiner Ernsthaftigkeit zweifeln. Denn dieser Anfängerfehler zeugt von Nachlässigkeit.

3. Schreibe nicht mehr als 6 Kapitel auf 60 Seiten

Es gibt zwar keine feste Regel, wie viele Kapitel es in einer Bachelorarbeit sein dürfen. Aber je mehr Kapitel es pro fester Seitenzahl sind, umso unausgewogener dürften die Kapitel sein. Gut sind 5 bis 6 Kapitel auf 60 Seiten. Bei Dissertationen sollten es auf 200 Seiten auch nicht mehr als 10 Kapitel sein. Die typische Bachelor oder Master Thesis hat 6 Kapitel.

4. Schreibe mehr als ein Wort in einer Überschrift der Gliederung

Solche Überschriften wie Theorie oder Ergebnisse oder Methoden zeigen den Betreuern nicht klar genug, was dann genau in dem Kapitel steht. Die wollen das aber schon vorher wissen. Also die Kapitelüberschrift „Theorie“ zeigt, dass Du Dich nicht sehr angestrengt hast. Schreibe besser in dieser Art: „Wissensmanagement und Digitalisierung – Theoretische Grundlagen“. Dann wird auch Dein Roter Faden besser sichtbar.

5. Überschriften über mehr als 2 Zeilen in der Gliederung sind zu lang

In der Überschrift muss nicht schon die gesamte Botschaft des Kapitels stehen! Bleibe bei 2 Zeilen. Das macht auch das Gliederung ausgewogener. Vermeide also solche Formulierungen:

„Die Besonderheiten von Wissensmanagement aus der Sicht des Agilen Projektmanagements mit Schwerpunkt auf dem agilen Wissensfluss zwischen verschiedenen Abteilungen eines internationalen Unternehmens“

Überhaupt sind Schachtelsätze nicht so nett für den Leser.

6. Überschriften in der Gliederung müssen inhaltlich sein, nicht formal

Formale Überschriften sind z.B. Theorieteil, Empirieteil, Befragung, Definitionen, Auswertung, Schlussteil u.ä.

Überschriften sollten immer inhaltlich formuliert sein wie z.B. Theorie der Kundenbindung oder Befragung zu den Erfahrungen mit Konzept Alfa. Damit wird auch Dein Roter Faden schon beim Blick auf die Gliederung klar. Schlussteil klingt übrigens nach: bin ich froooooh, dass es vorbei ist… Ich habe keine Energie mehr und kann nicht mehr klar denken. Damit das nicht passiert, solltest Du die Gliederung auf jeden Fall am Anfang machen. Dabei ist die Mustergliederung eine große Hilfe.

7. Schreibe mindestens eine halbe Seite pro Kapitelüberschrift

Eine Überschrift soll den Text gliedern und nicht schreddern… Sind es weniger als 0,5 Seiten, solltest Du besser nur eine fette Zwischenüberschrift einfügen. Das sorgt für Ausgewogenheit.

Plagiate wissenschaftliches arbeiten

8. Stelle keine Fragen in Kapitelüberschriften der Gliederung

Fragen sind oft rhetorisch und suggestiv. Außerdem kann jemand die Frage ganz anders verstehen als Du sie meinst. Also besser Fragen weglassen und inhaltlich beschreiben, was drinsteht.
Beispiel: 2.1 Was ist Wissensmanagement? BESSER: 2.1 Abgrenzung von Wissensmanagement.

9. Verben haben in Überschriften der Gliederung nichts zu suchen

Die Überschrift beschreibt den Inhalt des Kapitels, aber sachlich. Der Inhalt ist statisch und damit sind Verben überflüssig. Schreibe also nicht „Methoden auswählen“ sondern „Auswahl der Methoden“. Das Substantiv Auswahl enthält den Abschluss, das Ende eines Prozesses. Auswählen ist dagegen ein Prozess.

10. Nicht so gut: ein Kapitel hat 6 Gliederungsebenen, wenn andere Kapitel nur 2 haben

Grundsätzlich ist das nicht falsch. Aber es sieht unausgewogen aus. Daher fasse besser die Inhalte in den unteren Ebenen zusammen. Eine Option sind auch fette Zwischenüberschriften ohne Kapitelnummer.

11. Bei 20 Seiten sollte die Gliederung nicht mehr als 2 Ebenen pro Kapitel haben

Du kannst gar nicht so viel schreiben zu einem einzelnen Kapitel. Bei 20 Seiten sollten es nicht mehr als 2 Ebenen sein. Also 2. Kapitel 2.1 und 2.2, dann 3. Kapitel 3.1 und 3.2

12. Vermeide ein Riesenkapitel

Wenn ein Kapitel 40 Seiten hat und alle andere 4 haben zusammen nur 20 Seiten sieht das nicht gut aus. Grundsätzlich ist das auch nicht falsch. Aber es ist unausgewogen und macht den Eindruck, dass man nicht genug nachgedacht hat. Mit unserer Mustergliederung passiert Dir das nicht.

13. Vermeide Überschriften-Nummerierungen mit A und B, aa) und bb) und I und II und…

Zahlen und Buchstaben durcheinander…  i und ii und a) und b) und aa) und bb). Lass das besser, es sei denn Du schreibst eine Arbeit in Jura. Da ist das normal!) Diese Art der Kapitel-Gliederung hat jede Menge Nachteile:

  • automatische Nummerierung geht nur sehr schwer,
  • das Inhaltsverzeichnis sieht zerklüftet aus,
  • diese Gliederung suggeriert eine zweifelhafte Hierarchie,
  • oft folgt auf aa) kein bb), was nicht stimmig ist.

So eine Aufteilung hilft nicht weiter. Nimm besser 1 und dann 2 mit 1.1 und 1.2 und 2.2. und 2.2.1 etc.

WICHTIG: 

Sobald der Betreuer Vorgaben zur Struktur Deiner Bachelorarbeit oder Masterarbeit macht, musst Du diese Hinweise natürlich beachten. Selbstverständlich haben die Lehrstuhlanforderungen Vorrang!

Mit diesen Tipps wirst Du Deinen Betreuer auch in den Bann ziehen mit Deiner Arbeit. Und Du hast viel weniger Arbeit mit Deiner Arbeit.

Viel Erfolg beim Gliedern wünschen Dir

Silvio und das Team Aristolo

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Wer ist Silvio Gerlach?

Silvio ist Thesis- und Diss-Coach seit 2003 und Gründer von Studeo und Aristolo in Berlin. Er liebt das Schreiben und ist Autor zahlreicher Bücher wie des Thesis Guides “In 31 Tagen zur Thesis“ und des Dissertation Guides “In 200 Tagen zur Diss“.
Silvio will jedem Studi EIN Semester sparen.

Mehr Infos: Silvio Gerlach